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EMDR

Eye Movement Desensitisation and Reprocesing


Die Geburtsstunde von
EMDR

Die amerikanische Psychologin Dr. Francine Shapiro erkrankte Ende der 70er Jahre an Krebs und machte sich dann auf die Suche nach Verfahren, die eine Stressreduktion bewirken. Ende der 80er Jahre fiel ihr während eines Spazierganges etwas Merkwürdiges auf. Sie hatte über etwas Sorgenvolles nachgedacht und stellte fest, dass der betreffende Gedanke plötzlich verschwunden war. Als sie versuchte, ihn sich erneut zu vergegenwärtigen, bemerkte sie, dass die damit verbundenen negativen emotionalen Energien verschwunden waren. Als sie dann weiterging, versuchte sie zu verfolgen, was in ihr vorgegangen war. Ihr fiel auf, dass ihre Augen sich plötzlich spontan hin und her bewegten, wenn ein belastender Gedanke auftauchte. Dies war die Geburtsstunde von EMDR.

Sie erforschte diese Wahrnehmungen weiter, erprobte das Verfahren zuerst bei Freiwilligen, stellte dabei jedes Mal fest, dass die verbundenen negativen Gefühle verschwanden, die positiven erhalten blieben. 

EMDR ist in der Zwischenzeit das verbreitetste und erfolgreichste Verfahren zur Bearbeitung von traumatischen Erinnerungen. Das Verfahren findet Anwendung bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen und wird auch bei anderen Krankheitsbildern wie z. B. Phobien und Panikanfällen, Trauerarbeit, Suchterkrankungen, schweren körperlichen Erkrankungen angewandt.

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass nach erfolgreicher Behandlung mit EMDR der posttraumatische Stress bis zu 90% reduziert ist, dass damit auch Gehirnveränderungen einhergehen, d. h. die Hypervigilanz (Überwachheit) reduziert sich mit dem Verschwinden der Beschwerden deutlich. Die traumatischen Erfahrungen werden aus dem Gedächtnis nicht ausgelöscht, bewirken jedoch nach erfolgreicher Behandlung mit EMDR, dass die Begleitsymptome sich erheblich bis fast vollständig aufgelöst haben.

Das Verfahren EMDR wird auch erfolgreich eingesetzt bei traumatischen Erlebnissen in Kriegseinsätzen von Soldaten und Polizisten sowie in den vergangenen Jahren bei dem Zugunglück in Eschede, beim Flugzeugabsturz in Ramstein oder nach dem 11. September 2001 in New York. 

Die Grundlage des Verfahrens EMDR beruht auf Erkenntnissen über schnelle Augenbewegungen, die in den REM-Schlafphasen jede Nacht beim Menschen regelmäßig auftreten. In diesen Schlafphasen werden wichtige Tagesereignisse sowie Ereignisse aus der Vergangenheit verarbeitet. 

In der Durchführung von EMDR wird insbesondere das Ausführen von schnellen bilateralen Augenbewegungen unter genau festgelegten Voraussetzungen therapeutisch genutzt. Damit sollen die Verarbeitungsprozesse im Gehirn aktiviert und beschleunigt und der Selbstheilungsprozess eingeleitet werden. 

Zu Beginn wird eine ausführliche biographische Anamnese erhoben, die Traumagenese erfasst und eine umfassende psychiatrische wie internistische Untersuchung durchgeführt. Bevor man jedoch EMDR in der Behandlung einsetzt, insbesondere bei schwer traumatisierten Patienten, ist eine lange Vorbereitungszeit, Stabilisierungsphase der Traumatherapie, notwendig. Diese kann Monate oder manchmal Jahre dauern. Vorrangiges Ziel in der Stabilisierungsphase ist die Reduktion traumatischen Stresses, die Fähigkeit zur Selbstberuhigung und Selbstbeobachtung, die Arbeit mit dem inneren Kind, eine verbesserte Steuerungsfähigkeit der eigenen Gefühle u. v. a. mehr. Es werden dann zwei bis sechs zweistündige Behandlungen mit EMDR durchgeführt.

Bei „einfachen“ Traumata, wie z. B. nach einem Verkehrsunfall sind oftmals einige Wochen Vorbereitung ausreichend, bis dann mit ein bis zwei zweistündigen EMDR -Sitzungen das traumatische Geschehen aufgearbeitet ist. Die interindividuellen Unterschiede, wann eine Traumabearbeitung stattfinden kann, sind dabei erheblich. 

Bei der Anwendung von EMDR bei Kindern müssen sowohl die Vorbereitungsphase als auch die Durchführung des Verfahrens erheblich verändert werden. Dabei arbeitet man mehr mit Märchen und Geschichten und die bilaterale Stimulation erfolgt z. B. über Klatschen mit der rechten und dann mit der linken Hand. 

EMDR ist kein Wundermittel und kein Allheilmittel, es muss im Einzelfall immer spezifisch abgewogen werden, ob dieses oder ein anderes Verfahren sinnvoll und hilfreich ist. Wichtig dabei ist, dass jeder einzelne therapeutische Schritt für die Patienten völlig transparent ist und die Patienten immer die alleinige Entscheidung über die Anwendung treffen. EMDR darf nur von Psychotherapeuten angewandt werden, die über eine abgeschlossene Psychotherapieausbildung verfügen, weitere Kurse in Psychotraumatologie inklusive Selbsterfahrung und dann eine EMDR -Ausbildung an einem EMDR -Institut absolviert haben. 

Kontraindikationen für die Anwendung von EMDR bestehen bei: Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen, Psychosen, hohen aktuellen zusätzlichen Belastungen (Bsp.: Tod eines nahestehenden Menschen, schwere Erkrankung), aktueller Umstellung von Medikamenten, nicht ausreichender Stabilität, selbstverletzendem Verhalten, Suizidgefährdung, Epilepsien und anderen schweren neurologischen sowie bei kardialen Erkrankungen, z. B. bei Gefährdungen hinsichtlich Atemnot und Bluthochdruckreaktionen oder bei Vorliegen von Informationen über einen Herzstillstand während des Traumas. 

Wir verwenden EMDR in der traumaorientierten Psychotherapie von Patienten mit posttraumatischen Belastungsstörungen, dissoziativen Identitätsstörungen sowie von traumatisierten Patienten mit Persönlichkeitsstörungen und schweren Trauerreaktionen dann, wenn diese Patienten eine ausreichend gute innere wie äußere Stabilität erreicht haben. 

M. Kraft, Dipl.-Psych.
Oberpsychologe
Psychologischer Psychotherapeut

Animationen animierte Augen

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Aktualisiert: März 2010

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